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RAID 1 oder RAID 5 im Heim-NAS: was die Messung sagt

Wenn man sich ein leistungsstarkes NAS-System (Network Attached Storage) für das heimische Netzwerk anschafft, steht man unweigerlich vor einer der wichtigsten Entscheidungen in der IT-Grundlagen-Planung: Welches RAID-Level soll verwendet werden? Für die meisten Heimanwender oder kleinen Büros (SOHO) pendelt sich die Diskussion fast immer auf zwei dominierende Lager ein: RAID 1 oder RAID 5. Beide versprechen Ausfallsicherheit, doch sie erreichen dieses Ziel auf fundamental unterschiedliche Weise, was gravierende Auswirkungen auf die Performance, die nutzbare Speicherkapazität und nicht zuletzt auf den Geldbeutel hat.
In diesem extrem detaillierten und tiefgreifenden Artikel analysieren wir nicht nur die trockene Theorie, sondern schauen uns an, was die echten Messungen in der Praxis sagen. Wir beleuchten die Lese- und Schreibraten unter Laborbedingungen sowie in alltäglichen Use-Cases, untersuchen das Verhalten beim Ausfall einer Festplatte (dem sogenannten Rebuild-Prozess), vergleichen die Kosteneffizienz pro Gigabyte und geben fundierte Empfehlungen, welches RAID-Setup für Ihre ganz speziellen Anforderungen am besten geeignet ist. Egal, ob Sie ein begeisterter Fotograf mit riesigen RAW-Dateien, ein Videoproduzent, der 4K-Material direkt vom NAS schneidet, oder einfach ein Familienvater sind, der ein unverwüstliches Backup-Grab für Familienfotos sucht – nach dieser Lektüre werden Sie genau wissen, wie Ihre Entscheidung ausfallen muss.
Was ist RAID 1? Die einfache Spiegelung im Detail
Bevor wir tief in die Benchmark-Ergebnisse und Messungen abtauchen, müssen wir die grundlegende Architektur der beiden Kontrahenten verstehen. RAID 1 ist die wahrscheinlich simpelste und gleichzeitig robusteste Form eines RAID-Verbundes, die über eine Fehlertoleranz verfügt. Das grundlegende Prinzip nennt sich “Mirroring” oder schlicht Spiegelung.
Die Funktionsweise von RAID 1
Bei einem RAID 1 werden sämtliche Daten, die auf das NAS geschrieben werden, zeitgleich auf mindestens zwei Festplatten geschrieben. Es entsteht also eine physikalisch exakte 1:1 Kopie der Daten auf der zweiten Festplatte. Das Dateisystem, die Partitionsstruktur, die Sektoren – alles ist identisch.
Vorteile von RAID 1
Daraus ergeben sich einige bestechende Vorteile:
- Maximale Ausfallsicherheit: Solange mindestens eine Festplatte des RAID 1-Verbundes noch physisch intakt ist, sind Ihre gesamten Daten sicher und weiterhin erreichbar.
- Exzellente Lesegeschwindigkeit: Da die exakt gleichen Daten auf zwei Laufwerken liegen, kann der RAID-Controller Leseanforderungen aufteilen. Theoretisch lassen sich so Lesegeschwindigkeiten erzielen, die beinahe doppelt so hoch sind wie bei einer einzelnen Festplatte.
- Einfache Datenrettung: Sollte das NAS-Gehäuse oder der Hardware-RAID-Controller irreparabel beschädigt werden, können Sie in der Regel einfach eine der beiden Festplatten entnehmen, sie an einen normalen PC mit passendem Dateisystemtreiber (z. B. ext4 oder btrfs) anschließen und die Dateien problemlos auslesen. Es gibt keine komplizierte Paritätsmathematik, die decodiert werden müsste.
Nachteile von RAID 1
Wo Licht ist, ist leider auch Schatten:
- Geringe Speichereffizienz: Der wohl schmerzhafteste Nachteil von RAID 1 ist die Tatsache, dass Sie nur exakt 50% der verbauten Bruttokapazität effektiv nutzen können. Kaufen Sie zwei teure 18-Terabyte-Festplatten, haben Sie letztlich “nur” 18 Terabyte nutzbaren Speicherplatz. Die Kosten pro Gigabyte sind hier im Vergleich exorbitant hoch.
- Schreibgeschwindigkeit: Während die Leseleistung stark skaliert, bleibt die Schreibgeschwindigkeit bestenfalls auf dem Niveau einer einzelnen Festplatte. Das System muss auf die langsamere der beiden Festplatten warten, bis das Schreiben des identischen Blocks auf beiden Datenträgern quittiert wird.
Was ist RAID 5? Der komplexe Allrounder mit Parität
RAID 5 ist ein deutlich ausgeklügelteres Konzept, das entwickelt wurde, um einen optimalen Kompromiss zwischen Ausfallsicherheit, hoher Kapazität und ordentlicher Performance zu finden. Anders als RAID 1 benötigt ein RAID 5 zwingend mindestens drei Festplatten, lässt sich aber nach oben hin (je nach NAS oder Controller) auf fünf, acht oder noch mehr Laufwerke skalieren.
Die Funktionsweise von RAID 5 (Striping + Parity)
Anstatt Daten simpel zu spiegeln, zerlegt RAID 5 die einkommenden Dateien in kleine Blöcke. Dieses Verfahren nennt sich “Striping” (bekannt aus RAID 0). Das Besondere an RAID 5 ist jedoch, dass zusätzlich zu den eigentlichen Datenblöcken sogenannte Paritätsblöcke mittels einer exklusiv-oder (XOR) Verknüpfung berechnet werden.
Diese Blöcke – Daten und Parität – werden dann rollierend über alle installierten Festplatten im Verbund verteilt. Es gibt also keine dedizierte “Backup-Platte” oder “Paritäts-Platte”. Die Redundanzinformationen sind gleichmäßig über das gesamte Array gestreut. Fällt nun eine Festplatte unwiderruflich aus, nutzt der Controller die verbleibenden Datenblöcke und die Paritätsinformationen der noch funktionierenden Festplatten, um den fehlenden Datensatz mathematisch “on-the-fly” zu errechnen und wiederherzustellen.
Vorteile von RAID 5
- Hervorragende Speichereffizienz: Im Gegensatz zu den starren 50% bei RAID 1 verlieren Sie bei einem RAID 5 immer nur exakt die Kapazität einer einzigen Festplatte für die Ausfallsicherheit, völlig unabhängig davon, wie viele Laufwerke im Array stecken. Bei einem Verbund aus vier 10-Terabyte-Festplatten stehen Ihnen somit gigantische 30 Terabyte (abzüglich Overhead) zur Verfügung, was einer Effizienz von 75% entspricht. Bei fünf Platten sind es schon 80%.
- Starke Leseleistung: Ähnlich wie bei RAID 0 oder RAID 1 kann RAID 5 gleichzeitig von mehreren Festplatten lesen. Je mehr Festplatten im Verbund arbeiten, desto höher die theoretische Leserate, da Datenblöcke parallel abgerufen werden können.
Nachteile von RAID 5
- Der berüchtigte Write-Penalty: Wenn eine Datei in einem RAID 5 geändert wird, muss das System nicht nur den neuen Datenblock schreiben. Es muss den alten Datenblock lesen, den alten Paritätsblock lesen, eine komplexe XOR-Rechnung durchführen, um den neuen Paritätsblock zu generieren, und dann den neuen Datenblock sowie den neuen Paritätsblock schreiben (Read-Modify-Write). Das belastet den NAS-Prozessor stark und führt vor allem bei vielen kleinen, zufälligen Schreibzugriffen zu einem signifikanten Leistungseinbruch.
- Kritische Rebuild-Zeiten: Fällt eine Festplatte aus und wird durch eine neue ersetzt, beginnt der “Rebuild”. Das Array muss die Parität für das gesamte Volumen (mehrere Terabyte) komplett neu berechnen. Dieser Vorgang dauert oft Tage und stresst die verbleibenden, ohnehin älteren Platten enorm. Fällt in dieser Zeitspanne eine zweite Festplatte aus, ist das gesamte Array inklusive aller Daten zu 100% zerstört.
Hardware-Anforderungen: Ein oft übersehener Faktor
Ein extrem wichtiges Thema, wenn man RAID 1 und RAID 5 gegeneinander antreten lässt, ist die zugrundeliegende NAS-Hardware.
Der NAS-Prozessor als Flaschenhals
Ein RAID 1 ist für die CPU des NAS ein absoluter Spaziergang. Dem Laufwerks-Controller wird lediglich mitgeteilt: “Schreibe diesen Block auf Laufwerk A und Laufwerk B.” Die Rechenlast für die CPU ist so marginal, dass selbst billigste ARM-Prozessoren in Einsteiger-NAS-Systemen von Synology oder QNAP problemlos Gigabit-Geschwindigkeiten (110-120 MB/s) beim Schreiben erreichen, solange die Festplatten mitspielen.
Anders sieht es bei RAID 5 aus. Die ständige Berechnung der Paritätsdaten mittels XOR-Operationen verlangt der CPU einiges ab. Zwar haben moderne Prozessoren – selbst günstige Intel Celeron oder stärkere ARM Dual-Cores – mittlerweile Hardware-Beschleunigung für genau solche Aufgaben integriert, wirft man dem NAS jedoch Workloads mit vielen kleinen Dateien (wie z. B. eine lokale Datenbank, tausende kleine Quellcodedateien oder das Host-Drive einer virtuellen Maschine) entgegen, bricht die Performance bei schwächeren Prozessoren im RAID 5 extrem drastisch ein. Hier wird aus einem potenziellen Gigabit-Strom schnell ein trostloses Rinnsal von 30-40 Megabyte pro Sekunde. Wer RAID 5 mit exzellenter Performance nutzen möchte, sollte zwingend ein NAS mit ausreichend Arbeitsspeicher und einer potenten Quad-Core-CPU (am besten x86-basiert von Intel oder AMD) in Betracht ziehen.
Kapazitätsnutzung: Ein Praxis-Beispiel für den Geldbeutel
Um das Thema Nutzkapazität greifbarer zu machen, lassen Sie uns eine Modellrechnung durchführen. Nehmen wir an, unser Datenbestand wächst unaufhörlich und wir haben uns zum Ziel gesetzt, etwa 36 Terabyte Netto-Speicher in unserem Heimnetzwerk zur Verfügung zu stellen. Wie erreichen wir dieses Ziel mit RAID 1 im Vergleich zu RAID 5? Wir gehen von 18-Terabyte-Festplatten der Enterprise- oder NAS-Klasse aus (z. B. Seagate IronWolf Pro oder WD Red Pro), die pro Stück rund 300 Euro auf dem freien Markt kosten.
Kostenaufstellung RAID 1
Um ~36 TB Speicherplatz in einem RAID 1 zur Verfügung zu stellen, können Sie nicht einfach vier Festplatten nehmen und alles als “ein großes RAID 1” konfigurieren, ohne extrem viel Kapazität brachliegen zu lassen, denn klassisches RAID 1 spiegelt nur Laufwerk 1 auf Laufwerk 2. Sie müssten quasi zwei RAID-1-Arrays bilden (also RAID 10), weshalb Sie insgesamt VIER 18-TB-Festplatten benötigen würden, wobei exakt zwei davon lediglich als Sicherung für die ersten beiden dienen.
- 4x 18 TB Festplatte à 300 Euro = 1.200 Euro.
- Nutzkapazität: 36 Terabyte (2x 18 TB).
- Kapazitätsverlust: 50%.
- Systemanforderung: 4-Bay-NAS.
Kostenaufstellung RAID 5
Mit RAID 5 benötigen wir ebenfalls ein NAS mit mehreren Schächten, typischerweise ein 4-Bay-Gehäuse. Hier installieren wir nun DREI 18-TB-Festplatten in einem zusammenhängenden RAID-5-Verbund.
- 3x 18 TB Festplatte à 300 Euro = 900 Euro.
- Nutzkapazität: ~36 Terabyte (Gesamtkapazität von 54 TB abzüglich der 18 TB Parität, minimaler Overhead des Dateisystems abgezogen).
- Kapazitätsverlust: nur 33%.
- Systemanforderung: 3- oder 4-Bay-NAS.
Ergebnis: Mit RAID 5 sparen wir bei den Festplattenkosten initial 300 Euro ein, verschenken prozentual weniger Speicherkapazität und haben im Falle eines 4-Bay-NAS sogar noch einen freien Schacht (Bay), um das System in der Zukunft bei akutem Platzmangel unkompliziert mit einer weiteren Festplatte um 18 TB zu erweitern. Bei RAID 1 müssten Sie hierfür zwingend wieder zwei neue Laufwerke hinzukaufen oder Ihre vorhandenen Laufwerke ersetzen. Ökonomisch betrachtet ist RAID 5 in Kapazitätsfragen ab 3 Laufwerken der himmelweite Sieger.
Sequenzielle Lese- und Schreibraten: Die Benchmark-Betrachtung
In unserem Mess-Labor (und in tausenden standardisierten Benchmarks weltweit) zeichnet sich bei der Nutzung aktueller, NAS-optimierter Festplatten ein deutliches Bild ab, das sehr stark von der Netzwerk-Umgebung abhängt.
1-Gigabit-Ethernet-Limitierung
In 95% der Haushalte sind die Netzwerkstrukturen auf 1 Gbit/s begrenzt. Das bedeutet, dass maximal etwa 110 bis 115 Megabyte pro Sekunde übertragen werden können. Moderne magnetische Festplatten (HDDs) schaffen sequenziell heutzutage relativ mühelos Schreib- und Leseraten von 200 bis über 260 MB/s. Das heißt: Egal, ob Sie ein RAID 1 oder ein RAID 5 verwenden – beim sequenziellen Kopieren großer Filmdateien von Ihrem PC auf das NAS (oder umgekehrt) wird das Netzwerk der ultimative Flaschenhals sein. Sie werden auf beiden RAID-Typen konstant die 110-115 Megabyte pro Sekunde auslasten, solange der Prozessor nicht einknickt. Ein messbarer Unterschied existiert in diesem weit verbreiteten Basis-Setup (1GbE-Netzwerk) schlichtweg nicht.
2,5-Gbit-, 5-Gbit- und 10-Gbit-Ethernet
Spannend wird die Fragestellung jedoch, wenn das NAS und der verbundene Rechner (oftmals Videoschnitt-Plätze) mit 2,5-Gbit-Equipment (max. ca. ~280 MB/s) oder gar 10-Gigabit-Technik (bis über 1.000 MB/s) ausgestattet sind. Hier dürfen die Festplatten zeigen, was in ihnen steckt.
- Sequenzielles Lesen (Große Dateien): Ein RAID 5 aus vier modernen Laufwerken zieht an einem RAID 1 massiv vorbei. Da von drei oder gar vier Platten gleichzeitig gelesen wird, können leicht Lese-Raten von über 500 MB/s bis 600 MB/s realisiert werden. Ein RAID-1-Verbund schafft beim Lesen typischerweise das Niveau einer einzelnen Festplatte oder (je nach Controller-Intelligenz) maximal den Faktor 1,5 bis 2x, also meist um die 350 - 450 MB/s.
- Sequenzielles Schreiben (Große Dateien): Hier gleicht sich das Bild leicht an, denn der Write-Penalty des RAID 5 fordert spürbar seinen Tribut. Ein starkes RAID 5 mit intelligenter Controller-Logik und ausreichend RAM-Cache erreicht beim sequenziellen Schreiben zwar oft immer noch exzellente Werte um die 400 - 450 MB/s, doch ein hardwaretechnisches Limit wird schneller messbar als beim simplen RAID 1. Dennoch skaliert RAID 5 mit zunehmender Menge an Platten auch beim Schreiben besser.
- Random I/O (Viele winzige Dateien, Datenbanken): Dies ist eindeutig die Achillesferse des RAID 5. Wenn Tausende kleine 4KB-Blöcke gelesen, modifiziert und mit neuer Parität zurückgeschrieben werden müssen (Read-Modify-Write), brechen die IOPS (Input/Output Operations Per Second) von herkömmlichen HDDs in Konfigurationen mit Parität dramatisch ein. Ein RAID 1 verhält sich hier reaktiver und liefert unter Umständen die deutlich geringeren Latenzen. Benötigen Sie extreme Input/Output-Werte, beispielsweise zum Hosten virtueller Maschinen, sollten Sie gänzlich von magnetischen Datenträgern Abstand nehmen und stattdessen ein reines NVMe- oder SATA-SSD-RAID einsetzen.
Der Horror-Fall: Rebuild-Dauer im Vergleich
Man kann es nicht oft genug betonen: Ein RAID bietet Ausfallsicherheit auf Hardware-Ebene. Es garantiert, dass Ihr NAS-System weiterläuft und die Dienste erreichbar bleiben, falls (und nur dann) genau eine Festplatte unwiderruflich den Geist aufgibt.
Sobald die defekte Festplatte gegen eine neue ausgetauscht wurde, beginnt bei jedem System der gefürchtete Rebuild-Prozess.
Rebuild beim RAID 1
Bei einem fehlerhaften RAID-1-Array ist der Vorgang denkbar unkompliziert. Das System liest die intakten Sektoren auf der noch funktionierenden Festplatte von Anfang bis Ende Block für Block durch und kopiert sie exakt 1:1 identisch auf das Ersatzlaufwerk. Für ein 18-Terabyte-System bedeutet das, bei einer konstanten Schreibrate von z.B. 180 MB/s dauert die Wiederherstellung zwischen 25 und 30 Stunden. Die Belastung für das System ist moderat, die Gefahr extrem gering. Eine zusätzliche Beanspruchung entsteht rein durch das andauernde lineare Lesen, was für Festplatten generell kein unlösbares Problem darstellt.
Rebuild beim RAID 5
Ein degraded (herabgestuftes) RAID-5-Array ist ein echter Notstand für ihr Speichersystem. Wird eine Ersatzplatte in das NAS eingeschoben, muss das NAS die fehlenden Informationen für jeden einzelnen verlorenen Block mühselig berechnen. Das System muss dafür von ALLEN verbliebenen Festplatten im Verbund gleichzeitig Datenblöcke einlesen, die XOR-Berechnungen durch die CPU jagen und das gewonnene Ergebnis als neuen kombinierten Daten- und Paritäts-Strang auf die leere Ersatzplatte ablegen.
Dieser Vorgang führt zu extrem hohem I/O-Stress auf allen beteiligten Laufwerken. Gleichzeitig dauert dieser hochkomplexe Prozess signifikant länger. Abhängig vom Füllstand des Arrays und vor allem von der Leistungsfähigkeit der verbauten NAS-CPU kann ein Rebuild von 18-Terabyte-Plattenabteilungen durchaus stolze fünf bis sieben Tage lang anhalten.
Die kritische Tragödie: Festplatten desselben Herstellers, die am selben Tag aus derselben Fertigungs-Charge gekauft wurden und jahrelang neben einander im selben NAS unter exakt gleichen Temperatur- und Vibrationsbedingungen rotierten, weisen eine äußerst ähnliche Ausfallwahrscheinlichkeit auf. Der durchgängige Stress eines mehrtägigen RAID-5-Rebuilds ist oftmals genau jener Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt und eine zweite, vorhergesagtermaßen ohnehin grenzwertige Festplatte ebenfalls zum Totalausfall bringt. Passiert das, ist das Array komplett tot. Alle Daten sind unwiederbringlich gelöscht. Ein Backup ist die einzige Rettung.
Stromverbrauch und operative Geräuschentwicklung
Zwei Festplatten verbrauchen logischerweise weniger elektrische Energie als drei oder gar vier Festplatten. Gerade wer sein NAS im 24/7-Dauerbetrieb an der Steckdose hängen hat – eine Praxis, die vor temperaturbedingtem Verschleiß schützt, aber bei den steigenden Strompreisen in die Tasche geht –, sollte diesen Aspekt keinesfalls gänzlich außer Acht lassen. Darüber hinaus erzeugen rotierende Datenspeicher zwingend Resonanzen. Ein RAID 5 aus vier 7.200-rpm-Enterprise-Festplatten in einem Kunststoff-Gehäuse eines billigen 4-Bay-NAS klingt beim massiven Zugriff auf sehr viele verstreute Sektoren oftmals wie ein kleiner Kieselstein-Brecher. Steht das NAS direkt neben dem Schreibtisch oder heimlich versteckt im TV-Lowboard im Wohnzimmer, wird ein leiseres RAID 1 aus nur zwei qualitativ hochwertigen Laufwerken in der Regel als eine deutlich geringere akustische Störung empfunden.
Fazit: Welches RAID für welchen Heimanwender?
Wenn wir alle Fakten, Benchmark-Analysen und physikalischen Eigenschaften aggregieren, zeichnen sich klare und eindeutige Empfehlungsmuster für verschiedene Einsatz-Szenarien ab.
Entscheiden Sie sich kategorisch für RAID 1, wenn:
- Ihr Budget eng begrenzt ist und sie sich maximal ein 2-Bay-NAS finanzieren möchten.
- Es für Sie vollkommen akzeptabel ist, bei den Kosten für Ihren Speicherplatz mit einer Verlustrate von satten 50% für die notwendigen Redundanzen aufwarten zu müssen.
- Ihr absolut unumstößlicher Fokus auf der höchsten Daten- und Ausfallsicherheit anstatt auf dem billigsten Terabyte-Preis liegt und Sie die minimalsten Risiken beim Austauschen defekter Laufwerke tragen wollen.
- Ihr NAS sehr oft extrem viele kleine Dateien schreiben und modifizieren muss (wie etwa Heimautomatisierungs-Server, lokale Webserver-Tests oder Docker-Container mit vielen Datenbank-Writes), bei denen der Write-Penalty des RAID 5 eine quälend langsame Systemträgheit induzieren würde.
Setzen Sie hingegen voller Überzeugung auf RAID 5, wenn:
- Sie von vornherein ein hochwertiges 4-Bay-NAS (oder ein Derivat mit noch viel mehr Einschüben) planen oder bereits Ihr Eigen nennen und den verfügbaren Platz bestmöglich monetarisieren wollen.
- Ihr Platzbedarf enorm groß ist und ein RAID 1 aufgrund des 50-Prozent-Verlustes ab einem gewissen Punkt schlicht betriebswirtschaftlich und ökologisch unsinnig wäre (Beispiel: Medien-Archive mit über 30 TB unkomprimiertem Rohmaterial).
- Sie in Ihrem Heimbüro (SOHO) bereits glücklicher Besitzer eines flotten 2,5-, 5- oder gar 10-Gbit-Netzwerkes sind und sich über sequentielle Datenübertragungsraten jenseits der 110 Megabyte pro Sekunde erfreuen möchten.
- Sie über eine unerschütterliche, wasserdichte und verlässliche Backup-Strategie (nach dem ehernen 3-2-1 Prinzip) verfügen, die Sie vor dem Worst-Case (einem Doppel-Festplattenausfall während des mehrtägigen RAID-5-Rebuilds) immun macht.
Trotz aller technologischer Raffinesse und Versprechen der NAS-Hersteller bleibt zum Abschluss nur ein einziger fundamentaler IT-Grundsatz unverrückbar stehen: Kein RAID dieser Welt – weder RAID 1, noch RAID 5, noch RAID 6 oder RAID 10 – ersetzt jemals ein solides externes Backup! Ein RAID sichert die hochverfügbare Betriebsbereitschaft Ihrer Systeme vor trivialen Hardwaredefekten der Festplatten. Wenn jedoch ein Blitz in Ihren Verteilerkasten einschlägt, ein bösartiger Crypto-Trojaner sich unbemerkt durch Ihr LAN frisst und das Netzlaufwerk des NAS gleich mitverschlummert, wenn das Netzteil des Laufwerksgehäuses durchbrennt und versehentlich 12 Volt auf Platinen schickt oder Sie höchstselbst aus tragischer Unaufmerksamkeit den falschen übergeordneten Ordner in den virtuellen Papierkorb werfen – all das vernichtet Ihre unersetzbaren Daten rücksichtslos im selben Bruchteil einer Sekunde auf exakt allen gespiegelten und paritätsgeprüften Festplatten im gesamten RAID-Verbund. Schaffen Sie also zuALLERerst ein krisensicheres Offline-Backup und philosophieren Sie erst im direkten Anschluss ausgiebig über Performance und Rebuild-Zeiten.
Häufige Fragen
Häufige Fragen
- Welches RAID ist sicherer, RAID 1 oder RAID 5?
- Beide Systeme tolerieren den Ausfall genau einer Festplatte. Bei RAID 1 liegt jedoch eine physikalisch exakte 1:1 Kopie der Daten vor, was die Datenrettung in Extremsituationen (z.B. defekter RAID-Controller) oftmals erleichtert. Bei RAID 5 müssen die Daten aus der Parität rekonstruiert werden. Fällt bei RAID 5 eine zweite Platte während des intensiv beanspruchenden Rebuild-Prozesses aus, ist das gesamte Array und somit alle Daten unwiderruflich verloren.
- Warum ist RAID 5 beim Schreiben oft langsamer?
- Bei RAID 5 müssen bei jedem einzelnen Schreibvorgang aufwendige Paritätsdaten berechnet und anschließend gleichmäßig auf die beteiligten Festplatten verteilt werden. Dieser sogenannte ‘Write Penalty’ erfordert zusätzliche Rechenleistung des NAS-Prozessors und erhöht die Latenzzeiten, wodurch sich die effektive Schreibgeschwindigkeit im Vergleich zu Arrays wie RAID 1 oder RAID 0 spürbar reduzieren kann. Hochwertige NAS-Systeme fangen dies durch Caching ab.
- Kann ich von RAID 1 ohne Datenverlust auf RAID 5 wechseln?
- Das hängt maßgeblich vom verwendeten NAS-Betriebssystem ab. Moderne Systeme renommierter Hersteller wie Synology DSM, QNAP QTS oder TrueNAS bieten in der Regel die Möglichkeit, ein bestehendes RAID 1 durch das bloße Hinzufügen weiterer funktionsfähiger Festplatten online und unterbrechungsfrei in ein performantes RAID 5 zu migrieren, ohne das System neu aufsetzen zu müssen. Ein vorheriges, externes Backup zur Absicherung ist dennoch zwingend erforderlich.
- Ersetzt RAID 1 oder RAID 5 ein Backup?
- Nein, ein RAID ersetzt niemals ein Backup. Ein RAID schützt lediglich vor dem Hardware-Ausfall einer oder mehrerer Festplatten. Versehentlich gelöschte Dateien, Beschädigungen durch Schadsoftware (Ransomware), Überspannung oder Diebstahl können zum kompletten Datenverlust führen. Wichtige Daten müssen daher immer zusätzlich auf ein externes Medium (z. B. USB-Festplatte) oder in eine Cloud gesichert werden.